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Der berühmte tibetische Dzogchen Meister Chatral Rinpoche unterstützt Dharma Voices for Animals und unsere Mission.

Dharma Voices for Animals (“Dharma Stimmen für Tiere“, kurz DVA) ist die erste Organisation in der westlichen Welt, die jemals unterstützt wurde von Chatral Rinpoche, der in vollem Umfang unsere Mission der Förderung des Vegetarismus befürwortet. Kyabje Chatral Sangye Dorje Rinpoche ist einer der wenigen noch lebenden Schüler des Großen Meisters Khenpo Ngagchung und wird weithin als der in höchstem Maße verwirklichte Dzogchen Meister angesehen. Chatral Rinpoche studierte bei einigen der bekanntesten Meister des letzten Jahrhunderts, darunter Dudjom Rinpoche, Jamyang Khyentse Chokyi Lodro und der berühmten Dakini Sera Khandro.

Chatral Rinpoche war Vajra-Regent und Hauptschüler des verstorbenen Dudjom Rinpoche, und er ist der Haupt-Linienhalter von drei Haupt-Traditionen der Nyingma-Schule: Dudjom Tersar, Sera Khandro und Longchen Nyinthig, weiterhin im Besonderen der Linie, die durch Jigme Lingpas Lieblings-Sohn Jigme Gyalwe Nyugu und dann über Patrul Rinpoche überliefert wurde.

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Chatral Rinpoche wurde zum obersten spirituellen Lehrer für den Regenten Reting Rinpoche, den politischen Herrscher von Tibet im Jahr 1947. Die große Aufmerksamkeit, die ihm durch diese repräsentative Rolle zuteil wurde, lenkte ihn von seinen religiösen Praktiken ab, und er zog sich in die Berge zurück, wo er die nächsten Jahre in einsamer Meditation verbrachte, bis er den Zustand eines höchsten Verwirklichten erreichte.

Heute lebt er in seinem eigenen kleinen Ort in Parphing, Nepal, in der Nähe einer heiligen Stätte des Gurus Padmasambhava, der den Buddhismus in Tibet begründete. Er ist verheiratet mit Sangyum Kamala und hat zwei Töchter, Tara Devi und Saraswati Devi. Obwohl er nie in den Westen gereist ist, haben seine bemerkenswerte Geschichte und seine Lehren doch das westliche buddhistische Bewusstsein durchdrungen, seit ihn Pater Thomas Merton 1968 zum ersten Mal traf und den bemerkenswerten Ausspruch tat, dass Chatral Rinpoche „der bedeutendste Mensch sei, den er je getroffen habe“.

DVAXX Bird release  HH Chatral RinpocheChatral Rinpoche ist einer der lautesten Rufer gegen den Fleischverzehr im tibetanischen Buddhismus. Während der traditionellen langen Exerzitien und in allen seinen Klöstern, Tempeln und spirituellen Zentren wird nur vegetarische Nahrung serviert. 

Chatral Rinpoche ist berühmt dafür, eine große Anzahl von Fischen, die von den Fischmärkten in Kalkutta stammen, jedes Jahr wieder freizulassen und außerdem zahlreiche Vögel und Landtiere vor der Schlachtung zu retten. 

Dharma Voices for Animals fühlt sich ganz besonders geehrt durch die Tatsache, dass Chatral Rinpoche sich entschlossen hat, seine Stimme gemeinsam mit all unseren Mitgliedern zu erheben, da wir die erste Organisation in der westlichen Welt sind, die er je unterstützt hat.

In der Besprechung von Chatral Rinpoches Buch “Compassionate Action” (Mitfühlendes Handeln), stellt Sogyal Rinpoche, der Verfasser von The Tibetan Book of Living and Dying (Das tibetische Buch vom Leben und Sterben), fest:

“Kyabje Chatral Rinpoche . . . ist berühmt in der gesamten tibetischen Gesellschaft, . . . ein legendärer Meister, der - wie die großen Weisen und Einsiedler in der Vergangenheit - lange Zeit seines Lebens in Zurückgezogenheit mit Meditation verbrachte, und der sparsam und nur mit wenigen engagierten Schülern seine Lehre teilte. Es ist wirklich wunderbar, dass wir hier nun diese wertvolle Sammlung seiner Lehren und Ratschläge kompetent übersetzt ins Englische vorliegen haben, so dass mehr Menschen von seiner grenzenlosen Weisheit und seinem grenzenlosen Mitgefühl profitieren können.”

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Kyabje Chatral Sangye Dorje Rinpoche ist einer der höchst Verwirklichten heutzutage lebenden tibetanischen buddhistischen Yogis. 1947 hatte er den hochrangigen Status des spirituellen Meisters des Regenten Reting - des damaligen politischen Führers von Tibet - erhalten, aber er hat es immer vorgezogen, das bescheidene Leben eines Yogis in einfachen Behausungen zu führen, ohne die Ablenkungen, die Ruhm und Reichtum bieten. Er praktiziert kompromisslos, was er predigt, und wird dafür in der gesamten Himalaya-Region von Menschen aller Glaubensrichtungen geliebt.

Rinpoche wurde im Juni 1913 in dem Nyak Adzi genannten Tal in Kham, Tibet, als Kind frommer Mitglieder des Stammes der Abse geboren, der Vater war Pema Döndrub und Sönam Tso seine Mutter. Am Tag nach Rinpoches Geburt besuchte ein örtlicher Lama mit dem Namen Asey Bigo Tulku Nyima Gyaltsen das Haus von Pema und Sonam. Er erzählte ihnen von einer Vision, die er über das Erscheinen von Rinpoche am Vortag gehabt hatte, in welcher ein weißer Esel, beladen mit buddhistischen Schriften zum Haus von Pema und Sönam kam und ihnen dort die Texte auslieferte. In Übereinstimmung mit dieser Vision gab er dem Kind Rinpoche den Namen Trogyal Dorje, der bedeutet “Diamantener zorniger und siegreich Hervorgehender”.

Chatral Rinpoches Familie zog mit ihrem Stamm nach Amdo, als er noch ein kleines Kind war. Im Alter von 15 Jahren beschloss Rinpoche, seine Familie zu verlassen, um den Buddhismus bei den Meistern in seiner Umgebung zu studieren und zu praktizieren. Mit diesem Akt der Abkehr begann seine lebenslange Reise als sorgenfreier Yogi, der um jeden Preis Erleuchtung sucht mit dem Ziel, effektiv durch Mitgefühl anderen Wesen zu helfen. Von Anfang an war Rinpoche in höchstem Maße prinzipientreu, er reiste ausschließlich zu Fuß und lehnte es ab zu reiten, wenn ihm ein Pferd angeboten wurde. Er wohnte nur in Einsiedeleien, Höhlen oder in seinem kleinen Zelt, um nicht verstrickt zu werden in die Belange von Hausbesitzern und deren weltliche Beschäftigungen.

Chatral Rinpoche erhielt Übertragungen des Terma-Zyklus von Terton Dudjom Lingpa (1835 - 1903) durch Tertons Sohn Dorje Dradül (1891 - 1959). Rinpoche wurde später zum Vajra-Regenten beziehungsweise zum Haupt-Linienhalter von diesem als Dudjom Tersar bekannten Lehren-Zyklus. Ein anderer früher Lehrer von Rinpoche war Khandro Dewai Dorje (1899 - 1952), die Schwiegertochter von Terton Dudjom Lingpa. Sie gab an Rinpoche den Terma-Lehren-Zyklus von Sera Khandro weiter, und er wurde so der Haupt-Linienhalter auch von dieser Tradition.

Zu diesem Zeitpunkt traf Chatral Rinpoche seinen Wurzellama, Khenpo Ngawang Palzang (1879 - 1941) aus dem Kloster Kathok. Der große Khenpo war der Lieblingsschüler von Patrul Rinpoches Haupt-Schüler, Lungtok Tenpai Nyima (1829 - 1901), der als Wiederverkörperung des Dzogchen-Meisters Vimalamitra aus dem 9. Jahrhundert betrachtet wurde.

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Khenpo Ngakchung gab Chatral Rinpoche viele Lehren und Übertragungen - insbesondere in der Longchen Nyinthig Tradition - und während der nächsten sechs Jahre studierte Rinpoche bei ihm, vervollständigte sein Ngöndro, und praktizierte Trekchöd und Tögyal, die zu den am meisten fortgeschrittenen Praktiken des Dzogchen gehören. Rinpoche studierte auch bei anderen Meistern im Kloster Kathok, zusätzlich dazu beim großen Khyentse Chökyi Lodrö (1893 - 1959) des Klosters Dzongsar, welches wie Kathok in der Derge-Region von Kham liegt.

Khenpo Ngawang Palzang wusste, dass Rinpoche ein ganz besonderer Mensch war, und erkannte ihn als seinen engsten Jünger an, indem er erklärte “seine Meinung und meine Meinung weichen nicht voneinander ab.” Er verlieh Rinpoche den Namen Chatral Sangye Dorje, der bedeutet “Unzerstörbarer Buddha, der alle weltlichen Aktivitäten aufgegeben hat.”

Zum ersten Mal trat Chatral Rinpoches Größe anderen während einer großen Anbetung im Kloster Kathok, der viele hochrangige Lamas auf erhabenen Thronen beiwohnten, vor Augen. Rinpoche saß zusammen mit ein paar Hundert anderen Mönchen auf einem einfachen Meditationskissen im Hintergrund. Khenpo Ngawang Palzang merkte während der Gebetszeremonie an:

““Unter allen von Ihnen, die heute hier sind, gibt es weniger als zehn Personen, die ein Zehntel meiner Erkenntnis haben. Weiterhin sind weniger als fünf unter Ihnen, die die Hälfte meiner Erkenntnis haben. Letztendlich ist hier nur eine einzige Person, deren Erkenntnis identisch ist mit meiner, und dies ist Chatral Syngye Dorje. Er kann mich jetzt vertreten und die Lehren verbreiten, denn seine Verdienste sind die gleichen, wie die meinen.“

Diese Verkündigung rief ziemliche Aufregung in der Versammlungshalle hervor, und danach kamen Menschen, um Rinpoche zu gratulieren. Die Vorbereitungen für eine große Zeremonie begannen, um Rinpoche in seiner neuen Stellung zu ehren. Aber Rinpoche mochte solche Aufmerksamkeit und Lob nicht und stahl sich mitten in der Nacht weg, mitsamt seinem Zelt, um alleine in der Wildnis weiter zu praktizieren. Als man am nächsten Tag kam, um ihn zu ehren, fand man sein Zimmer leer und keinerlei Spuren, wohin er gegangen war. Und wieder einmal lebte er gemäß seines Namens “Chatral”, der mit “Einsiedler” übersetzt werden kann.

Chatral Rinpoche erklärte einst, “Wir wohnen nirgends, wir besitzen nichts.” In ihrem ultimativen Sinn ist dies eine tiefgreifende Aussage über die Unbeständigkeit des Lebens und die Leere aller Dinge. Im konventionellen Sinn steht diese Aussage für das Leben, welches ein Yogi, wie Chatral Rinpoche, tatsächlich in Tibet lebte. Ohne Haushalt und Besitztümer, die schwer auf dem Geist liegen, ist man völlig frei, das Dharma zu praktizieren. Den scheinbaren Gegensatz zwischen physischem Unbehagen und unregelmäßigen Mahlzeiten erklärt Dudjom Rinpoche: “Wenn die Erkenntnis so groß wird, wie das All, dann werden alle widrigen Bedingungen zu Freunden.”

1937, als der König-Regent von Tibet, Reting, der bis zur Volljährigkeit des derzeitigen Dalai Lamas der politische Führer des Landes war, nach den Lehren von Khenpo Ngawang Palzang verlangte, sagte ihm Khenpo Ngakchung, “Ich bin jetzt zu alt, um Ihnen die Lehren zu übermitteln. Ich habe einen Schüler, dessen Geist und Realisierung identisch mit der meinen ist, und er heißt Chatral Sangye Dorje. Gehen Sie, und verlangen Sie, von ihm gelehrt zu werden.”

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Regent Reting suchte überall nach Rinpoche und fand ihn meditierend in einer weit abgelegenen Höhle in den Bergen. Als er von der Forderung hörte, antwortete Rinpoche: “Es tut mir leid, aber an mir ist nichts Besonderes, und ich kann Sie nichts lehren. Bitte suchen Sie die Lehre anderswo!” Der Regent zog dann zur Unterstützung seiner Bitte einen Brief von Khenpo Ngakchung hervor, und so willigte Rinpoche widerstrebend ein, als Lehrer des Regenten Reting nach Lhasa zu gehen.

Von überall her kamen Menschen nach Lhasa, um Rinpoche zu treffen, um seine Lehren zu hören und von ihm gesegnet zu werden. Darunter waren hochrangige Lamas, politische Führer und ganz normale Laien, die Rinpoche viele Angebote unterbreiteten. Gemäß seiner Natur betrachtete er all diese Aufmerksamkeit als eine Ablenkung von seiner spirituellen Entwicklung. Er verlangte nach Zeit, um in einer abgelegenen Gegend, weg von Lhasa, meditieren zu können. Der Regent willigte ein und entsandte ein großes Gefolge an Dienern und Wachen, um Rinpoche auf dessen Reise zu begleiten. Nachdem sie angekommen waren, forderte Rinpoche die Gruppe Männer auf, nach Lhasa zurückzukehren, damit er in der Einsamkeit meditieren könne. Dem Regenten gefiel der Gedanke nicht, dass sein Lehrer ganz allein sei, und schickte einige Wächter zurück, um Rinpoche zu finden. Auf dem Weg trafen sie auf einen armen Bettler, der königliche Brokatkleidung trug. Chatral Rinpoche hatte seine feinen Kleider in wahrer Yogi-Manier gegen die Lumpen eines Bettlers eingetauscht!

Ein weiterer großer spiritueller Meister, der in Chatral Rinproches Leben trat, war Kyabje Dudjom Rinpoche, Jigdral Yeshe Dorje, die Inkarnation des Terton Dudjom Lingpa. Dudjom Rinpoche übertrug auf Chatral Rinpoche den gesamten Zyklus der Dudjom-Tersar-Lehre und ernannte ihn zum Vajra-Regenten dieser Tradition.

Chatral Rinpoche verbrachte viel Zeit mit Übungen in Höhlen, die von Guru Padmasambhava gesegneten waren, dem Gründer des tibetischen Buddhismus und Verfasser der Terma-Lehre, auf denen viele Linien der Nyingma-Schule basieren. Chatral Rinpoche wird sogar aufgrund der Prophezeiungen zum Erscheinen von Rinpoche und seiner erwiesenen Weisheit als Offenbarung des Geistes von Guru Padmasambhava betrachtet.

In den späten 50er-Jahren des letzten Jahrhunderts zog Chatral Rinpoche nach Bhutan. Er wurde durch die Vorkommnisse des 10. März 1959 nicht vertrieben, so wie viele andere Tibeter, sondern ging aus freiem Willen nach Bhutan. Dies kann als Hinweis darauf verstanden werden, dass er den Geist von Guru Padmasambhava vertritt, da der Guru Padmasambhava vorausgesagt hatte, dass das Volk der Tibeter am Vorabend der Moderne aus seinem Heimatland vertrieben würde, und Chatral Rinpoche zu wissen schien, dass für ihn die Zeit gekommen war, in andere Regionen des Himalayas zu ziehen. Als er gefragt wurde, wie er diese Reise empfinde, lächelte er und sagte, “vollständig frei, leicht und glücklich.”

Er reiste durch die angrenzende Himalaya-Region von Darjeeling, wo er einen einfachen Tempel restaurierte und ihn drei Jahre lang zu seinem Meditations-Zentrum machte, um Longchen Nyinthig zu praktizieren. Dies war das erste solche Zentrum, welches ein Tibeter außerhalb von Tibet erbaute. Rinpoche besuchte dann einige der wichtigsten buddhistischen Pilgerzentren in Indien. Während er im Jahr 1960 die Stelle besuchte, an der der Buddha erleuchtet wurde, traf er einen festen Entschluss, der zu einem berühmten Teil seiner Identität werden würde. Er sagte: “Ich kam nach Bodhgaya und gelobte allen Buddhas und Bodhisattvas, Fleisch und Alkohol aufzugeben.” Rinpoche ist ziemlich einzigartig in seiner intensiven, disziplinierten Einstellung zu diesem Thema, und dies ist es, was zu der großen Verehrung durch alle, die ihn kennen, führt.

Ein paar Jahre später traf er Kusho Kamala, die Tochter von Terton Tulzhok Lingpa, die seine Ehefrau wurde. Sie haben zwei Töchter, Saraswati und Tara Devi. Saraswati ist seine Haupt-Assistentin und spricht fließend Englisch. Sie wird als eine Emanation der Dakini Sera Khandro betrachtet.

1968 kam es in Darjeeling zu dem berühmten Treffen zwischen Chatral Rinpoche mit dem Trappisten-Mönch Thomas Merton, einem fortgeschrittenen Praktikanten des Zen-Buddhismus, der hohes Ansehen bei anderen Buddhisten genießt. Nach dem Treffen wurde gehört, wie Merton sagte, “Das ist der bedeutendste Mann, den ich jemals getroffen habe. Er ist mein Lehrer.”

Chatral Rinpoche war ruhelos in seinem Studium und in seiner Tätigkeit. In Indien erhielt er Unterweisungen von Kalu Rinpoche, der ein enger Freund wurde und der 16. Karmapa Rangjung Rigpe Dorje.

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Alles in allem wurde er von mehr als einhundert Meistern über viele der Überlieferungen des tibetanischen Buddhismus unterrichtet. Der Umfang seines Wissens zeigt sich in seinen Schriften, in denen er aus Texten unzähliger Überlieferungen zitiert, um die Aussagen in seinen Abhandlungen zu untermauern.

Chatral Rinpoche hat zahlreiche Meditationszentren in Bhutan, Indien und Nepal gegründet oder restauriert und den Bau zahlreicher buddhistischer Denkmäler, Stupas, betreut. Dudjom Rinpoche weihte das Zentrum von Chatral Rinpoche in Darjeeling im Jahr 1962 und half Rinpoche zehn Jahre später dabei, den Grundstein für ein Zentrum in Yangleshöd, Nepal, zu legen, an einem vielversprechenden Ort, da dort Guru Padmasambhava einige erfolgreiche Praktiken ausführte. Das Kloster, welches am äußeren Rand des Kathmandu-Tales liegt und unter dem Namen Rigzin Drubpe Ghatsal bekannt ist, war viele Jahre lang einer von Rinpoches Hauptwohnsitzen. Im Vergleich zu anderen Lamas, die aufwendige, großzügige Quartiere haben, ist Rinpoches Residenz hier unglaublich bescheiden und behaglich.

Viele Tausend Menschen aus dem Himalaya betrachten Rinpoche als ihren Wurzellama, da er durch seine mitfühlenden Handlungen und sein tiefes Wissen eine perfekte Verkörperung der Lehren Buddhas darstellt. Er ist jedoch sehr wählerisch bei der Auswahl jener, denen er seine Lehre zukommen läßt. Er ist sich darüber vollständig im Klaren, dass die meisten Menschen, die nach seinen Lehren fragen, auch nicht andeutungsweise so ernsthaft in der Ausführung sind, wie er es ist. Deshalb ist er nicht gewillt, den wertvollen Nektar seiner Lehre in ungeeignete Gefäße auszuschütten. Rinpoche erklärt dazu: “Es gibt drei Arten von Praktizierenden des Dharma: erstens jene, die von außen wie Praktizierende aussehen, von innen aber keine richtigen sind; zweitens jene, die hochtrabend reden, aber keinerlei Erkenntnis haben; und drittens gibt es solche, die von außen überhaupt nicht wie Praktizierende aussehen, von innen aber echte Praktizierende sind.” Rinpoche unterweist deshalb niemanden in höherstehender Lehre, der nicht wenigstens sechs Jahre bei ihm studiert hat - genügend Zeit, um sich als echter Praktizierender zu beweisen.

Menschen aus der westlichen Welt werden mit besonderem Argwohn betrachtet. Zu viele von ihnen kommen auf der Suche nach der ultimativen Dzogchen-Lehre, ohne auch nur annähernd qualifiziert zu sein, diese zu erhalten oder zu verstehen. Es gibt die Geschichte von einem wohlhabenden Menschen aus den Vereinigten Staaten, der zu Rinpoche kam, riesige Stapel amerikanischer Dollar vor ihm aufbaute, und sagte, wenn Rinpoche ihn in die Dzogchen-Lehre einführen würde, würde er ihm all sein Geld geben. Rinpoche hat ihn kurz angebunden aufgefordert, sein Geld wegzutun und sich geweigert, ihn zu lehren, da er fühlen konnte, dass dieser Mann nicht im richtigen Zustand war, um Dzogchen zu verstehen. Heilige Lehren können sicherlich nicht durch Bestechung erlangt werden: Man muss sich das Recht verdienen, sie gelehrt zu bekommen.

In der Tradition von Longchen Nyinthig ist es nicht unüblich, dass hochrangige Lehre nur an einen oder zwei der engagiertesten und begabtesten Schüler eines Meisters weitergegeben wird. Der Wurzellama von Khenpo Ngawang Palzang, Nyoshul Lungtok, gab einige seiner Longchen Nyinthig Lehren und Ermächtigungen ausschließlich an den großen Khenpo weiter. Diese Art der Lehre wird als geheim erachtet und wird ausschließlich durch direkte Mensch-zu-Mensch Übermittlung von einem realisierten Meister an einen voll-qualifizierten Schüler weitergegeben.

Da es nur ganz wenige Menschen gibt, die qualifiziert sind, solche Lehren zu empfangen, verbringt Chatral Rinpoche nicht viel seiner Zeit damit, zu lehren. Statt dessen engagiert er sich unermüdlich in rechtschaffenen Aktivitäten, die in seiner berühmten alljährlichen Reise nach Kalkutta ihren Höhepunkt finden, wo er siebzig Lkw-Ladungen lebender Fische in einem Teil des Indischen Ozeans, in dem das Fischen verboten ist, in die Freiheit entläßt. Und er betet dabei für jeden einzelnen von ihnen.

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Er erhält aus aller Welt Spenden für seine großen Taten des Mitgefühls, welche das Thema eines Aufsatzes in diesem Buch sind. Nach wie vor unterstützt er ernsthafte Praktizierende und reist dazu, so oft er kann, in seine verschiedenen spirituellen Zentren, um ihre Fortschritte zu prüfen.

Chatral Rinpoche bietet aber auch Menschen anderen Glaubens, die sich mit ihm treffen, gnädige Beratung. Als ihn kürzlich ein anglikanischer Priester um Unterweisung bat, sagte Rinpoche: “Entscheide, was das Wichtigste ist, was Jesus je gesagt hat, und dann wende dies an, wo immer du kannst.“ Wie sich herausstellte, war dies der beste Ratschlag, den der Priester je erhalten hatte, und diente dazu, sein Verständnis von Christus zu vertiefen.

Zur Unterstützung seiner Schüler erscheint Chatral Rinpoche diesen in ihren Träumen und Visionen. 1997, als sich der Lama Tharchin Rinpoche gerade für ein Wochenende in San Francisco zurückzog, erzählte er seinen Studenten, dass Chatral Rinpoche in einem Traum erschienen war, und Lama Tharchin und seine Studenten aufgefordert hatte, hundert Millionen Rezitationen des siebenzeiligen Gebetes des Guru Padmasambhava aufzusagen, um die Gesundheit des Lamas Tharchin zu fördern, zum Wohle aller Lebewesen und um zu helfen, der Welt in diesem degenerierten Zeitalter Frieden zu bringen.

Im Anschluss an das tibetische Neujahresfest im Jahr 2000 versammelten sich Hunderte frommer Buddhisten aus den verschiedensten Himalaya-Regionen in Rinpoches Zentrum in Yangleshöd und baten um Rinpoches Segen für das neue Jahrtausend. Sie kampierten in Zelten um sein Kloster herum und warteten geduldig, tagelang. Zum glückverheißenden Zeitpunkt gab Rinpoche ihnen allen eine lebenslange Initiation. Nach dieser Initiation sang die ganze Gruppe wunderschöne Lieder zum Lob seiner großen Aktivitäten und zum Ruhm ihres erhabenen Meisters und tanzten vor Freude.

Chatral Rinpoche ist berühmt dafür, nicht korrumpierbar zu sein und darauf zu bestehen, dass die Dinge auf die richtige Weise ausgeführt werden. Nach tibetisch-buddhistischer Tradition wird jemand, der gestorben ist, üblicherweise drei Tage liegengelassen, damit das Bewusstsein genug Zeit hat, den Körper zu verlassen, um hoffentlich in das Königreich des Reinen Landes einzugehen oder wenigstens eine höhere Wiedergeburt zu erfahren. Laut Sogyal Rinpoche sagte Chatral Rinpoche einst Leuten, die sich beschwerten, dass ein Toter riechen könnte, wenn er in heißem Wasser aufbewahrt wird (drei Tage lang): “Es ist ja nicht so, als müßtet ihr ihn essen oder versuchen, ihn zu verkaufen.“

Chatral Rinpoches Legende wird zweifellos noch viele Generationen weiterleben. Im Jahr 2003 wurde er während einer Zeremonie in Kathmandu als eine der einflussreichsten Personen in Nepal geehrt. Da Rinpoche bereits voll realisiert ist, hat er sich dieses Mal nicht viel daraus gemacht, dass Aufmerksamkeit und Lob zu diesem Anlass seine Zeit für Übungen in Anspruch nahmen, und er nahm an der Zeremonie zusammen mit vielen seiner Studenten und Freunde teil. Als Zeichen dafür, dass er im Herzen immer noch ein sorgenfreier Yogi ist, trug er während der Zeremonie ein Topi, die traditionelle nepalesische Kopfbedeckung - vermutlich als erster tibetischer buddhistischer Meister!

Trotz der Verehrung in der Himalaya-Region durch unzählige Menschen blieb doch Rinpoche so bescheiden, wie er es immer war. Er sagte einst,

“Ich bin ein gewöhnliches empfindungsfähiges Lebewesen, und an mir ist nichts Besonderes. Ich folge nur den Lehren des Herrn, des Buddha. Ohne zu betrügen, stehe ich mit beiden Beinen fest auf der Erde, indem ich das Dharma praktiziere und allen empfindungsfähigen Wesen helfe. Ich wünsche mir, dass alle empfindungsfähigen Lebewesen sich von ihrem Selbstbetrug befreien und von ihrer Selbstverherrlichung, damit sie das Dharma wirklich praktizieren können, um sich selbst aus diesem Zyklus der Existenzen zu erlösen und um anderen empfindungsfähigen Lebewesen zu helfen. Sonst wird es, wenn sie endlich Reue empfinden, zu spät sein!”

 

DVAXX photo Chatral blanketVom Nutzen, Leben zu Retten

von Chatral Rinpoche

Ich verbeuge mich vor dem Lama, Buddha Amitayus,
und vor den Bodhisattvas, die sich üben.
Ich werde jetzt kurz den Nutzen beschreiben,
Tiere zu befreien und ihre Leben freizukaufen.

Tiere vor dem Schlachten oder aus tödlicher Gefahr zu retten,
aus reiner Motivation und mit reiner Handlungsweise,
ist zweifellos eine Gewohnheit, die angenommen werden sollte
von allen Anhängern des Buddhas Shakyamuni.
Viele Sutras, Tantras und Kommentare
beschreiben detailliert all die Vorteile dessen,
und zahllose gelehrte und vollendete Meister in Indien und in Tibet
haben den Wert und die Wichtigkeit betont, allen Wesen Gutes zu tun.
Selbst im Kleinsten vermeide man, anderen Schaden zuzufügen.
Im Mahayana ist dies die Übung von Bodhisattvas
und in den geheimen Mantras ein Haupt-Samaya der Ratna-Familie.

Die Begründung für all dies, ist die folgende: In dieser Welt,
ist nichts einem Menschen wichtiger als sein Leben,
weshalb es kein größeres Verbrechen gibt, als Leben zu nehmen,
und keine Tugend bringt größeren Verdienst
als Wesen zu retten und ihre Leben freizukaufen.
Deshalb, solltest Du Glück und das Gute suchen,
bemühe Dich um dies, den höchsten aller Wege,
der bewiesen wurde durch Schriften und durch den Verstand,
und der frei ist von Hindernissen und möglichen Gefahren.

Betrachte Deinen eigenen Körper und nimm ihn als Beispiel,
und vermeide alles, was anderen schaden könnte.
Unternimm jede Anstrengung, um keine lebende Kreatur zu töten,
Vögel, Fische, Hirsche, Rinder und auch keine kleinen Insekten,
und versuche statt dessen, deren Leben zu retten,
biete ihnen Schutz vor allen Ängsten.
Der Nutzen dieser Taten geht über jede Vorstellungskraft hinaus.
Dies ist die beste Übung, um ein langes Leben zu haben,
und das größte Ritual für die Lebenden und die Verstorbenen.
Es ist meine Hauptübung, um anderen Gutes zu tun.

Sie zerstreut alle äußerlichen und inneren Widrigkeiten und Hindernisse,

ohne Anstrengung und spontan bringt sie günstige Bedingungen mit sich,
und wird, inspiriert durch den großherzigen Geist von Bodhichitta und
vervollständigt durch Hingabe und reine sehnsüchtige Gebete,
zu vollständiger Erleuchtung führen,
und zur Vollendung des eigenen Wohlergehens und dem von anderen.
Daran muss niemand zweifeln!

Diejenigen, deren Gewissen der Tugend und Verdiensten zugeneigt sind,

sollten auf ihrem Grundbesitz die Jagd und das Angeln verbieten.
Manche Vögel, vor allem Gänse und Kraniche,
sind durch ihr Karma gezwungen, zu wandern,
und sie fliegen im Herbst nach Süden, im Frühjahr nach Norden.
Wenn sie dann müde sind durch die Anstrengungen ihrer Fluges,
oder sich verirrt haben, sind manche gezwungen, zu landen,
verstört, verängstigt und unruhig. Wenn dies passiert,
sollst Du sie nicht mit Steinen bewerfen oder auf sie schießen,
auch nicht versuchen, sie zu töten oder ihnen Schaden zuzufügen,
sondern sie so beschützen, so dass sie bald wieder fliegen können.
Schutz und Zuneigung allen empfindungsfähigen Wesen anzubieten,
die in verzweifelten Situationen und schutzlos sind
bringt genau so viel Verdienst, wie die Meditation
über die Leere mit Mitgefühl als Kernpunkt,
so sagte es bereits der glorreiche Meister Atisha.

Lamas, Funktionäre, Mönchen, Nonnen, Männer und Frauen,
an allen Orten, an denen Sie Kontrolle ausüben,
üben Sie Ihren Einfluss aus und tun Sie alles, was in Ihrer Macht steht,
um Tiere freizulassen und ihre Leben freizukaufen,
und ermutigen Sie andere, das Gleiche zu tun.

Überall, wo dies geschieht,
werden die Krankheiten unter Menschen und Tieren aufhören,
die Ernten werden reich sein und das Leben lang.
Alle werden Glück genießen und Wohlergehen im Überfluss.
Und lasse beim Tod alle in die Irre führenden Erfahrungen gehen,
um eine ausgezeichnete Wiedergeburt in einem höheren Reich zu erfahren.
Letztendlich, daran gibt es keinen Zweifel, wird einen dies leicht führen
zu dem höchsten und perfekten Zustand der Erleuchtung.

Als Antwort auf die Bitte von Doktor Dordrak,
der einen Schal aus reiner Seide und hundert nepalesische Rupien bot,
hat der Eine, der Chatral Sangye Dorje genannt wird,
der unaufhörlich danach strebt, Leben freizukaufen,
spontan alles niedergeschrieben, was ihm in den Sinn kam.
Mögen hierdurch alle empfindungsfähigen Wesen
dazu gebracht werden, erleuchtet zu handeln!
Mamakoling samanta!

Übersetzung ins Englische durch Adam Pearcey, Rigpa Translations, 2005.
Übertragung aus dem Englischen ins Deutsche durch Barbara Schwarz, 2014.

 

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