Der unten aufgeführte Dialog entstammt einer tatsächlichen Dharma-Unterweisung, und wir empfehlen diese „Vorlage“, um eigene Diskussionen bezüglich des Essens von Tieren und den Bezug zur Dharma-Praxis, durchzuführen.

 

Dharma Unterweisung über das Essen von Tieren

Ein Lehrer aus dem Spirit Rock Meditation Center in Kalifornien empfiehlt, unsere heutige Untersuchung zu verstehen als „eine Einladung, um zu erkunden, wie unsere Essgewohnheiten unsere tiefsten Werte von Mitgefühl und Ehrfurcht für das Leben zum Ausdruck bringen, oder auch nicht. Das ist ein sicherer Ort, um dies ohne Beurteilung zu erforschen.“ „Lasst uns in Zweiergruppen aufteilen. Gleich werde ich farbige Fotografien von Gourmet-Menüs mit Fleisch, Huhn und Fisch austeilen. Ich lade jeden ein, die Bilder sorgfältig zu betrachten. Wenn Ihr das tut, seid achtsam auf Eure geistigen und körperlichen Erfahrungen. Ist es angenehm, unangenehm, oder neutral? Ist da ein Verlangen, oder eine Aversion? Neugierde? Spürt Ihr in Eurem Körper Anspannung, Kribbeln, Speichelfluss? Es gibt keine richtigen oder falschen Antworten.“

(Nach mehreren Minuten habe ich eine Person aus jeder Zweiergruppe eingeladen, sich einige Minuten Zeit zu nehmen, um sich mit dem jeweiligen Partner über die eigenen Erfahrungen, die mit den Bildern gemacht wurden, auszutauschen). „Ich werde die Glocke schlagen und der Zuhörer wird zum Sprechenden. Bitte praktiziert achtsame Rede und achtsames Zuhören.“

(Nach ca. 6 bis 8 Minuten): „Wer möchte seine Erfahrungen gerne teilen? Bitte sprecht nur über Eure eigenen Erfahrungen und nicht über die Eures Partners.“ Folgende Mitteilungen wurden gemacht:

Aussagen von Schülern: 

„Als Erstes habe ich Lust empfunden und Verlangen. Hunger auf das appetitliche Essen. Dann erkannte ich, dass dieses Essen einmal ein lebendes Tier war. Schuldgefühle kamen auf. Ich habe die Absicht erzeugt, dass ich versuchen möchte, so zu essen, ohne das Leid der Nutztiere zu unterstützen.“

„Ich hatte ebenso angenehme Empfindungen und einen verlangenden Geist. Mir wurde bewusst, dass das Bild kein gekochtes Huhn zeigte, sondern gekochte Ente. Ich liebe Enten und würde diese nicht essen wollen. Ich fühle keine so enge Verbindung zu Hühnern.“

„Als ich den Teller auf dem Foto sah, war ich mir sofort meiner Abneigung gegen das Leid der Nutztiere bewusst. Ich habe mich wesentlich zu einer tierleidfreien Ernährung hinbewegt. Ich bin mir auch über die enormen negativen Auswirkungen bewusst, welche die Massentierhaltung auf unsere Umwelt hat. Das erkannte ich auf diesem Foto.”

„Ich bin auf dem Weg zu einer tierleidfreien Ernährung, aber ich bin noch nicht ganz dort. Beim Hin und Her zwischen dem Essen auf dem Teller und dem Gewahrsein, woher es stammt, erlebte ich unterschiedliche Ebenen von angenehm und unangenehm, von Verlangen und Abneigung.“

„Als ich das Foto mit dem toten Tier auf dem Teller sah, da spürte ich Wut. Warum würde irgendjemand dies einem Tier antun, wenn wir es doch gar nicht essen müssen? Ich habe sehr viel Abneigung empfunden.“

„Ich bin mir sehr bewusst über das Leid, welches dieses Essen hervorbrachte. Ich kämpfe mit dem Leid, das ich mit meiner Ernährung fördere, während ich mich in die Richtung bewege, meine Ernährung zu ändern.“

 

Essen ist ein solch ritualisiertes Verhalten. Es dreht sich so viel in unserem Leben darum. In dieser Jahreszeit ist das noch offensichtlicher, nach Festen wie Thanksgiving, Erntedank, und vor Weihnachten oder Channuka. Unsere Gewohnheiten um das Essen sind sehr fest verwurzelt. Ich habe bemerkt, dass wenn wir planen, einen Freund oder ein Familienmitglied zu treffen, es sich meistens um das Essen dreht. Irgendjemand sagt, “Lass uns zum Mittagessen treffen.“ Selten sagen wir, „Treffen wir uns nur zum Erzählen.“

„Lasst uns eine andere Übung mit den Fotos machen. Bitte schaut Euch die Fotos noch einmal an. Schließt sanft Eure Augen und reflektiert folgendes“:

Wie sah das Leben des Tieres aus?

Wie sah der Tod des Tieres aus?

Hat das Tier seine ganze Lebensspanne ausgeschöpft?

Nach einigen Minuten: „Wer mag seine Erfahrungen teilen?“

Frage von einem Schüler: „Ich bin kein Vegetarier. Ich weiß, dass die Lebenserwartung der Tiere, die geschlachtet werden, immer unter ihrer natürlichen Lebenserwartung liegt. Aber weshalb sprechen wir denn überhaupt darüber?“

Antwort des Lehrers: „Ihr seid eingeladen zu untersuchen, wie unsere Essgewohnheiten unsere tiefsten Werte von Mitgefühl und Ehrfurcht für das Leben zum Ausdruck bringen, oder auch nicht. Ich habe das unvorstellbare Leid der Nutztiere gesehen, die in Mastbetrieben aufgezogen und geschlachtet werden. Jonathan Safran Foer, ein Bestsellerautor, erzählt in seinem landesweit renommierten Buch „Tiere essen“ über seine Erfahrungen, als er versuchte, sich selbst ein Bild davon zu machen, was in Mastanlagen und in Schlachthäusern geschieht. Er stieß auf Stacheldrahtzäune, Vorhängeschlösser, Kampfhunde und durchdachte Alarmsysteme, mit der Absicht, es vom öffentlichen Auge fernzuhalten. Im Schutze der Dunkelheit, in den frühen Morgenstunden, schaffte er es einzudringen und die Geschichte von Qual und Grausamkeit zu erzählen. Ich empfehle sehr, dieses Buch zu lesen. Meine Rolle hier ist die, eine Stimme für die Tiere zu sein. Es gibt Unmengen von Videos, die heimlich von Tierschützern gedreht wurden, und unzählige Bücher und Artikel, die auf Augenzeugenberichten beruhen. Vielleicht möchtet Ihr Euch Videos dazu anschauen, wie z.B. „Wände aus Glas“ erzählt von Sir Paul McCartney, oder „Meet your Meat“ im Englischen erzählt von Alec Baldwin.“ (Auf Deutsch zu sehen bei: www.meetyourmeat.de).

Frage eines Schülers: „Ich kann mir sehr gut den Schmerz und die Angst vorstellen, welche die Tiere durchleben.“

Antwort des Lehrers: „Was immer du dir vorstellst, es ist in der Realität vermutlich hundertmal schlimmer. Gibt es irgendeine Stufe von Grausamkeit und Leid, welche uns davon abhalten würde, das Essen von Tieren zu unterstützen? Ein anderer Lehrer, hier im Spirit Rock Meditation Center, hat mir nach dem Anschauen eines Videos, in dem das Leben und der Tod von einem Nutztier in der Massentierhaltung gezeigt wurde, in einer Email folgendes mitgeteilt: Viele Menschen sind sich nicht bewusst, wie schlecht diese Tiere behandelt werden. Ich wusste, es könnte schlimm sein, aber ich hatte solche Bilder noch nie zuvor gesehen, und ich wusste nicht, dass die Tiere so brutal behandelt werden.“

„Hierzu gibt es unterschiedliche Meinungen. Einige in der Dharma-Gemeinschaft glauben, dass unsere ethische Verantwortung mit dem Nicht-Töten eines Tieres endet. Bezahlen wir jemanden anderen, dies zu tun, wenn wir z.B. Hühnerfleisch im Supermarkt kaufen oder im Restaurant bestellen, dann ist das okay. Für diejenigen mit dieser Meinung ist es nicht notwendig, etwas über das Leben und den Tod des Huhnes zu wissen.“

„Der Buddha hat deutlich gemacht, dass Nutztiere, und alle anderen Tiere, fühlende Wesen sind. Als solche sind sie berechtigt, kein Leid durch uns erfahren zu müssen. Meiner Meinung nach, muss jedes ethische Glaubenssystem nicht nur nach den eigenen Taten schauen, sondern sein Augenmerk auch auf die fühlenden Wesen richten, die leiden aufgrund bestimmter Taten. Wir sind aktiv beteiligt an diesem Leid, wenn wir tote Tiere kaufen, um sie zu essen.“

J. Foer sagt: „Wie zerstörerisch muss eine kulinarische Präferenz sein, bevor wir uns entscheiden, etwas anderes zu essen? Wenn das Beitragen zum Leid von Milliarden von Tieren, die erbärmliche Leben führen und auf schreckliche Art und Weise sterben müssen, nicht Motivation genug ist, was kann es dann sein? Wenn der Nummer Eins Faktor für die größte Bedrohung für den Planeten (globale Erwärmung) nicht genug ist, was denn? Und wenn du versucht bist, diese Fragen aus deinem Gewissen zu streichen, um zu sagen „jetzt nicht“, wann dann? Wir haben die Massentierhaltung die Landwirtschaft ersetzen lassen aus den gleichen Gründen, weshalb unsere Kulturen Minderheiten zu Gesellschaftsmitgliedern zweiter Klasse verbannt haben und Frauen unter die Macht von Männern stellen. Wir behandeln Tiere, so, wie wir es tun, weil wir es wollen und können.“

 

Während einer Frage- und Antwort-Session sind folgende Fragen aufgetreten:

Frage eines Schülers:  “Ich stecke in einem ethischen Dilemma. Ich möchte nicht, dass mein Essen Leid verursacht, aber ich koche für Fleischesser in meiner Familie.“

Antwort des Lehrers: „Du kannst viele Rezepte für Vegetarier anpassen, durch Hinzufügen oder Weglassen von Zutaten. Einige gute vegane/vegetarische Webseiten sind“: www.goveg.com, www.vegcooking.com, and www.vegnews.com.

Frage eines Schülers:  „Warum sprechen wir nicht über andere Aspekte von weisem Handeln?“

Antwort des Lehrers: „Wir tun es, doch heute wird dazu leider keine Zeit mehr sein.“

Frage eines Schülers:  „Ich fand die Präsentation aufschlussreich. Aber ich habe immer noch die Absicht Fleisch zu essen, weil ich es mag und es mich nährt. Ich bin aber daran interessiert, Tiere zu essen, die nicht gequält werden.“

Antwort von Lehrer: „Ich schlage vor, Du liest das Buch, aus welchem ich zitiert habe (Tiere essen von J. Foer), in dem dieses Thema sehr detailliert behandelt wird.“ (Anmerkung: Obwohl dies nicht in der Klasse diskutiert wurde, lehnt der Autor dieses Buches den Vorschlag, Tiere zu essen, generell ab).

Frage eines Schülers:  „Hat der Buddha nicht Fleischhäppchen gegessen, die in seine Almosenschale getan wurden?“

Antwort des Lehrers: „Ja, das hat er. Aber er sagte zu seinen Mönchen, sie sollen keine Tiere essen, die für sie getötet wurden. Wenn wir nun Fleisch kaufen, Huhn oder Fisch, in einem Supermarkt oder im Restaurant, dann wurde dieses Tier für uns getötet, und ein anderes Tier wird auch getötet, welches dieses Tier, das von uns verlangt wurde, ersetzt.“

Frage eines Schülers:  „Es ist schwer meine Ernährung auf einmal umzustellen.“

Antwort des Lehrers: „Vielleicht magst Du irgendwo anfangen. Versuche es mit einem veganen/vegetarischen Frühstück oder Mittagessen pro Tag. Versuche, Dich für zwei oder drei Tage pro Woche vegan oder vegetarisch zu ernähren. Wenn Freunde oder Familienmitglieder zu Besuch kommen, dann bereite ein veganes oder vegetarisches Gericht zu. Es ist besser damit anzufangen, indem man tierische Produkte schrittweise aus seiner Ernährung entfernt, als nie damit anzufangen. Wenn Du Hühnerfleisch aus Deiner Ernährung streichst, dann erweiterst Du Dein Mitgefühl auf 35 Hühner pro Jahr. Das ist der durchschnittliche Pro-Kopf-Verbrauch von Hühnern, die jährlich in den USA konsumiert werden.“

„Als eine Übungspraxis sei achtsam auf das, was Du isst, und denke darüber nach, wie das Tier leiden musste, aufgrund Deiner Wahl und - im umgekehrten Fall - wie das Tier durch Deine Entscheidung vom Leid verschont wurde.“

 

„Wir hoffen, dass dieser Dialog hilfreich sein kann, um Diskussionen in Deiner Sangha zu unterstützen, was die vegane und vegetarische Auswahlmöglichkeit betrifft.“

 

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